ReConnect LLC

Erfahrungen aus dem Lockdown – Covid-19 Calls

19 June 2020 / Regina Schlager

Am 24. März 2020 haben wir mit wöchentlichen Covid-19 ReConnect Calls gestartet. Das letzte Online-Treffen fand Ende Mai statt. Was sind unsere Erfahrungen und Fazits aus den Begegnungen in der Zeit des Corona-Lockdowns?

Es wurde ein Verlauf sichtbar:

  • Am Anfang war die Situation für alle Teilnehmer*innen sehr neu, wir versuchten uns zurechtzufinden.
  • Ziemlich schnell ist es dazu übergegangen, dass Qualitäten in der Situation zum Vorschein kamen: für diejenigen, die im Home-Office gearbeitet haben und weniger zu tun hatten, war stark spürbar, mehr Zeit zu haben, der Tag war nicht mehr so durchgetaktet, es fühlte sich ruhiger und gelassener an.
  • Darin wurde auch einigen deutlich, wie sehr sie sich sonst gestresst und unter Druck fühlen: dieses innerliche „ich muss“ war gerade auch im Lockdown als tief sitzendes Muster spürbar. So als müssten wir etwas tun, um überhaupt eine Berechtigung zum Leben zu haben.
  • Im Laufe der Wochen hat sich die Stimmung gewandelt. Mehr und mehr Teilnehmer*innen nahmen die Situation als „irgendwie absurd“ wahr: „Uns geht es doch eigentlich gut. Da ist doch gar keine Gefahr. Ich weiss zwar vom Kopf her davon, aber ich merke nichts davon.“
  • Dann kam mehr ins Bewusstsein, dass es sich dabei um eine globale Situation handelt. „Während wir hier von Entschleunigung reden und die grössere Ruhe geniessen, verlieren Textilarbeiterinnen in Indien ihren Job, sie und ihre Kinder hungern.“ Die Zusammenhänge einer globalisierten Wirtschaft wurden uns bewusster. Und die unterschiedlichen Auswirkungen von Covid-19, je nachdem in in welcher Weltregion man lebt.
  • In der Stadt Zürich und Umgebung wurde anfangs eine grosse Freundlichkeit zwischen den Menschen wahrgenommen. Begegnete man sich auf der Strasse, wich man einander respektvoll aus, schaute sich dabei in die Augen, lächelte sich zu. Im Lauf des April hat sich das dann gewandelt, wir merkten in uns selbst eine aufkommende Ungeduld „Wie lange dauert das denn jetzt noch?“, auch Ärger über andere: „Der ist doch rücksichtlos, hält den Abstand nicht ein!“
  • Die Sehnsucht, wieder physisch in Kontakt zu sein mit anderen Menschen ist gewachsen. Gleichzeitig waren auch die meisten sehr dankbar für die Möglichkeiten, die die Technologie bietet: so waren viele mit ihren erwachsenen Kindern, ihren Enkelkindern oder Eltern per Online-Treffen in Kontakt. Sorge spürten einige auch um Eltern, die alleine zuhause waren oder in Altersheimen, wo sie nicht besucht werden durften.

Was sich durch die Wochen durchgezogen hat wie ein roter Faden waren die Fragen: „Wie wollen wir eigentlich leben, wie wollen wir zusammenleben?“ Im letzten Covid-19 ReConnect Call war es auch so wie ein Fazit, auch um damit weiterzugehen: „Wir müssen über die Bücher! Was stimmt eigentlich noch? Vielleicht haben wir bisher noch nicht den Mut dazu gehabt, uns dem in der Tiefe zu stellen. Jetzt war so ein erzwungener Stopp da. Verlieren wir das nicht wieder aus den Augen!“

Das ist gleichzeitig eine Einladung von uns, hier weiter im Dialog zu bleiben.

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